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Gartensiedlung Weissenburg, Münster (Westfalen)

Die autofreie Siedlung Weissenburg in der westfälischen Stadt Münster wurde ab 2001 bezogen. Heute leben rund 190 Haushalte in den 1 - 5-Zimmer-Wohnungen und Reihenhäusern. Der erste Siedlungsteil besteht aus 136 öffentlichen geförderten (sogenannten "Sozialwohnungen"), während 2018 noch 51 frei vermietete Wohnungen dazu gekommen sind. Die Siedlungen befinden sich 2.5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt im Stadtteil Geist, auf dem Areal einer ehemaligen Kaserne.

Details siehe www.weissenburgsiedlung.de

Erfolgsfaktoren

  • Das hohe Niveau der Partizipation der BewohnerInnen funktioniert gut
  • Der gemeinsame Wille von Entwickler und BewohnerInnen, die Idee eine autofreien Siedlung zu realisieren, wird als die wichtigste Bedingung für den Erfolg des Projektes angesehen
  • Die Voraussetzung zum autofreien Wohnen sind durch die Fahrradkultur in Münster, die Grösse der Stadt sowie die Verfügbarkeit aller wichtigen Einrichtungen für den Alltag im Stadtteil gegeben

Stolpersteine

  • Skepsis der AnwohnerInnen
  • BewohnerInnen, welche sich nicht an die Autofreiheit halten
  • Vermieterin welche anfangs nict genug hinter dem Konzept stand und bei der Vermietung nicht genug darauf achtete

Erkenntnisse

  • AnwohnerInnen waren anfangs skeptisch dem Projekt gegenüber. Sie befürchteten, dass es auf ihren Quartierstrassen mehr Autos haben wird. Die Projektverantwortlichen setzten dabei in erster Linie auf eine kontinuierliche, sachbezogene Information der AnwohnerInnen und die Einbeziehung lokaler Gruppen und Initiativen in konkrete Projektarbeit.
  • Die Autofreiheit muss bei Neuvermietungen zentral thematisiert werden. Seit der Bewohnerverein einbezogen wird (und Gespräche mit Interessierten führt, zur Information und "Überprüfung" der Autofreiheit), gibt es keine Probleme mehr.
  • Fahrradparkierung nicht vernachlässigen; Treppen zu den Fahrradkellern sind zu steil und zu eng. Viele Familien müssen ihre Alltagsräder und Kinderwagen im Freien lassen, wo sie der Witterung ausgesetzt waren. Auf dem Parkplatz am Rand der Siedlung wurde später ein gedeckter abgeschlossener Raum eingerichtet für Anhänger usw.
  • Bei einem Teil der Siedlung war Eigentum vorgesehen. Die Nachfrage danach war gering. Der Grund hierfür wird darin vermutet, dass BewohnerInnen eine endgültige Entscheidung fällen müssen auch punkto die Erlaubnis, ein eigenes Auto zu besitzen. Ein Haus oder eine Wohnung zu besitzen ist eine längerfristige Entscheidung. Die Wohnungsmiete dagegen kann einfacher aufgehoben werden.
  • Es scheint, dass die Wahl der Wohngegend sich am Standort des Arbeitsplatzes orientiert. Deshalb ist autofrei Wohnen nicht zwingend abhängig von einem Mobilitätsmanagement.

Quelle:
Doktorarbeit Daniel Baehler, Université de Lausanne, 2019