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Erkenntnisse

Seit rund 25 Jahren gibt es Erfahrungen mit autoreduzierten Wohnprojekten. Um die Autodominanz in der Gesellschaft überwinden zu können, ist es nützlich, diese Wohnform besser zu kennen. Die Wohnorte können als "Reallabore" einer zukunftsfähigen Mobilitäts- Stadtentwicklung betrachtet werden. In der Masterarbeit von Lisa Buchmann und der Doktorarbeit von Daniel Baehler wurden verschiedene autoreduzierte Siedlungen untersucht. Sie kamen zu folgenden Ergebnissen:

Studie zu Motivation und Mobilitätsverhalten in 9 Wohnsiedlungen (D und CH)

Daniel Baehler, Universität Lausanne, untersuchte in seiner Doktorarbeit die Motivation und das Mobilitätsverhalten der BewohnerInnen in neun autofreien Wohnsiedlungen. Er kam zum Schluss, dass die BewohnerInnen in ihrer Mobilität nicht eingeschränkt sind. Sie haben verschiedene Mobilitätsoptionen und auch die nötigen Kompetenzen, um diese zu nutzen. Sie legen ihre Wege auf vielfältige Weise zurück. Praktisch alle BewohnerInnen leben freiwillig ohne eigenes Auto und empfinden dies nicht als Verzicht. Ihre Motivationen, autofrei zu leben, sind hauptsächlich praktischer und persönlicher Art. Um problemlos ohne eigenes Auto leben zu können, braucht es neben persönlichen Zugängen und Kompetenzen auch ein räumliches (und gesellschaftliches) Umfeld, welches autofrei leben ermöglicht.

Kurzversion Doktorarbeit

Artikel COLLAGE, April 2020 (frz.)

Artikel mobilogisch, Nov 2019

Profil BewohnerInnen / Haupterkenntnisse

 

Studie zu Langfristeffekten autoreduzierter Wohnprojekte

Lisa Buchmann, Technische Universität Berlin, beleuchtete in ihrer Masterarbeit langfristige Effekte autoreduzierter Projekte. Sie kam zum Schluss, dass die autoarmen Quartiere eine besonders hohe Lebensqualität vorweisen. Umfassende Infrastrukturangebote in Verbindung mit einer attraktiven Freiraumgestaltung bieten ein breites Spektrum an Möglichkeiten und sorgen für eine hohe Lebensqualität. Dass autoreduzierte Wohnprojekte sich noch nicht dauerhaft als Modell der Stadtentwicklung und Angebot auf dem Wohnungsmarkt etabliert haben, liegt nicht etwa am fehlenden Mehrwert oder an einer zu geringen Nachfrage, sondern vielmehr an bürokratischen und rechtlichen Hürden, die potenzielle InitiatorInnen und InvestorInnen abschrecken und eine Umsetzung solcher Projekte in grösseren Dimensionen erschweren. Nichtsdestotrotz liegt das Potenzial autoreduzierter Stadtquartiere gerade darin, aufzuzeigen, wie (gut) ein Leben ohne Auto in der Stadt funktioniert.

Masterarbeit

Studie zu Erfolgskriterien für die Realisierung von autofreien und autoarmen Wohnquartieren

In der Masterarbeit von Laura Herten wurden die Erfolgskriterien für die Realisierung von autofreien und autoarmen Wohnquartiere analysiert und ausgewertet. Dabei hat Laura Herten Fallbeispiele aus Deutschland und der Schweiz verglichen. Im europäischen Vergleich sind in Deutschland und der Schweiz eine vergleichsweise hohe Anzahl an derartigen Wohnprojekten realisiert worden, auch wenn autofreie/-arme Quartiere in beiden Länder noch als Nischenprodukt auf dem Wohnungsmarkt einzuordnen sind. Die Ergebnisse zeigen, dass eine politische Unterstützung sowie rechtliche Gestaltungsfreiheit maßgeblich zur erfolgreichen Umsetzung beitragen. Neben der Bereitstellung von angepassten (verkehrs-)planerischen und räumlichen Maßnahmen für das autofreie/-arme Wohnkonzept gilt als wesentliche Herausforderung, vorhandenes Misstrauen und Vorbehalte gegenüber autofreien/-armen Wohnquartieren seitens Bauträgern, der Politik sowie der Gesellschaft zu überwinden. Somit kann Interesse geweckt und Akzeptanz für derartige Quartiersentwicklungen geschaffen werden, um zukünftige, erfolgreiche Realisierungen anzustoßen.

Masterarbeit