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Vauban, Freiburg im Breisgau

Vauban ist wohl eine der bekanntesten deutschen Wohnsiedlungen, die im Rahmen von Diskussionen zum autofreien Wohnen genannt wird. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um eine autofreie Siedlung. Es ist ein autoarmer Stadtteil, da hier gute Bedingungen für ein Wohnen ohne Auto gegeben sind: gute Fahrrad- und Fuss-Infrastruktur, Stadtbahnerschliessung, grosses Car-Sharing-Angebot, gutes Angebot an Geschäften, Schule, Kindergärten, Ärzten etc.
Entsprechend der Landesbauordnung und des Bebauungsplanes wurde pro herkömmlich mit Auto genutzter Wohneinheit ein Stellplatz errichtet. Allerdings überwiegend in zwei Quartiersgaragen am Rand des Stadtteils. Denn der Bebauungsplan sieht vor, dass nur in einem kleinen Teilbereich (ca. 30%) Stellplätze auf den jeweiligen Grundstücken errichtet werden dürfen, der übrige Bereich ist stellplatzfrei entwickelt worden.
Für Haushalte, die nur selten Autos vom und zum Quartier nutzen, mussten keine Stellplätze errichtet werden. Sie können über einen Vertrag mit dem "Verein für autofreies Wohnen e.V." ihre Stellplätze auf dessen Grundstück "nachweisen". Dieses Grundstück ist so gross, dass auf ihm für alle (derzeit 430) autofreien Vertragspartner in einem Parkhaus kostenpflichtig Stellplätze errichtet werden könnten, wenn sie das "autofreie Wohnen" aufgeben wollen.
Auf den Erschliessungsstrassen im Stadtteil gilt Tempo 30, die meisten Wohnstrassen sind verkehrsberuhigte "Spielstrassen", die mit dem Motorfahrzeug anfahrbar sind, in denen aber nicht geparkt werden darf. Auf dem ehemaligen Kasernengelände von ca. 41 ha sind insgesamt ca. 2.500 Wohneinheiten einschliesslich ca. 400 Studentenwohnungen entstanden. Trotz des bestehenden Stellplatzangebotes beträgt die Autofreiheit in der gesamten Siedlung ca. 40%.

Detaillierte Informationen: www.autofrei-verein.de

Erfolgsfaktoren

  • Akzeptanz dank Mischform (autofrei / autoarm) sehr breit
  • Erweiterte Bürgerbeteiligung

Stolpersteine

  • Durch die Mischform muss sichergestellt werden, dass die stellplatzfreien Wohnstrassen auch auch nicht beparkt werden -> regelmässige Kontrollen zu unterschiedlichen Tageszeiten durch Gemeindevollzugsdienst.

Erkenntnisse

  • Menschen, die hohen oder sehr hohen Sozialstatus besitzen sind im Stadtteil überdurchschnittlich vertreten. Der Erfolg der erweiterten Bürgerbeteiligung zeigt auch auf, dass die Bewohner es gewohnt sind, sich zu artikulieren und in politische Entscheidungen einzumischen.
  • Die Fahrradnutzung dominiert bei allen abgefragten Wegezwecken (i.e. Einkaufen, Freizeitverhalten und Erreichung der Berufs- bzw. Ausbildungsorte) und übersteigt auch den Freiburger Durchschnitt um ein Mehrfaches.
  • Die verstärkte Ausstattung der Haushalte mit Regiokarten und Bahn-Card stellt eindrucksvoll dar, dass ein Grossteil der Bewohner von Vauban seine Mobilitätswünsche von der Organisation her bewältigen kann und diese dadurch nach Gusto organisieren kann.
  • Bewohner mit Pkw sind unzufriedener. Ihnen bereitet v.a. das Abstellen des Pkw in der Quartiersgarage noch Probleme. 67% geben an, dass es ihnen manchmal bzw. häufig schwer fällt, den Pkw nicht direkt am Haus abstellen zu können.
  • Handlungsbedarf in Bezug auf Besucherparkplätze: Verlängerung der bewirtschafteten Zeiten und Erhöhung der Tarife, um Anwohner zu motivieren, auf ihrem Garagenplatz zu parken.
  • Junge Personen in den Siedlungen für Car-Sharing begeistern. Diese Personengruppe wird angesichts der Kostentransparenz und des geringen Budgets Car-Sharing vermutlich nicht in einem übermässigen Umfang nutzen. Der Vorteil der Ansprache junger Personen liegt v.a. darin, dass sie Car-Sharing möglicherweise so schätzen lernen, dass sie sich auch später - wenn sie das Geld dafür hätten - keinen eigenen Pkw anschaffen und langfristig Car-Sharing-Kunde mit den bekannten positiven Effekten einer geringeren Nutzungshäufigkeit eines Pkw bleiben.
  • Die Begleituntersuchung zeigt eindrucksvoll, dass autofreie bzw. autoreduzierte Wohnprojekte ein effektives Mittel sind, um die Zahl von Autofahrten zu reduzieren und langfristig ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten aufzubauen oder zu stabilisieren.
  • Die Tatsache, dass ein Grossteil der Bewohner seinen Pkw erst mit Einzug in Vauban abgeschafft hat, macht deutlich, dass diese Art von Wohnprojekten nicht nur für bereits autofreie Haushalte interessant ist.
  • Positive Ergebnisse sollen Politiker und Verwaltungen ermutigen, ähnliche Projekte in ihren Kommunen umzusetzen, da der Nichtbesitz eines Pkw einer der besten Ansatzpunkte für ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten ist.
  • Die Ausrichtung der Häuser ist mehrheitlich nicht nach Süden. Damit untergräbt man etwas die Möglichkeit, Passivhäuser zu bauen (d.h. sie werden ineffizienter). Das wurde damals schon vom Vauban Forum kritisiert aber die Stadt hatte vor 15 Jahren vielleicht nicht den Mut daran zu glauben, dass Passivhäuser eines Tages ein Standard werden.
  • Lektion gelernt, dass man viel Kraft in politischen Kampf (nicht Parteipolitik, sondern sich für Ziele einsetzen) aufbringen muss.

Quelle: Umsetzungsbegleitung des Verkehrskonzeptes im Stadtteil Freiburg-Vauban, www.vauban.de/themen/mobilitaet