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Zahlen und Fakten

Autofreie Haushalte

Im gesamtschweizerischen Vergleich leben durchschnittlich 21% der Haushalte ohne eigenes Auto (alle Zahlen für 2010). Bei den Ein-Personen-Haushalten sind es gar 45%, bei Mehr-Personen-Haushalten hingegen deutlich weniger.

Der Anteil an autofreien Haushalten in den Städten steigt (siehe auch Tabelle): in Basel (55%) und Bern (53%) besitzt 2010 über die Hälfte aller Haushalte kein eigenes Auto mehr, 10 Jahre vorher waren es noch 45 resp. 42%. In Zürich stieg der Anteil immerhin von 42% im Jahr 2000 auf  48% 2010. Auch in Luzern besitzt 2010 fast die Hälfte der Haushalte kein Auto mehr (42%), in den Städten St.Gallen und Winterthur sind es je ein Drittel. Der Durschnitt aller Agglomerationskerngemeinden beträgt rund 27%.

Auch in den beiden Grossstädten in der Romandie ist die Zahl der autofreien Haushalte zwischen 2000 und 2010 stark gestiegen: In Genf von 30% auf 40%, in Lausanne von 34% auf 44%.

Anteil der autofreien Haushalte (Quelle: ARE/BFS, Mikrozensus Mobiltät und Verkehr)

2000 2005 2010
Schweiz 19.9% 18.8% 20.8%
Zürich 42.2% 44.3% 48.3%
Basel 45.3% 52% 54.9%
Bern 42.2% 44.9% 53.2%
Lausanne 34.4% 34.5% 44.3%
Genf 30.1% 36.1% 40.4%

Die 2008 erstellte Analyse zum autofreien Lebensstil in der Schweiz hat aufgezeigt, dass sich unter den Autolosen vier Cluster unterscheiden lassen: "Urbane Eliten", "Unterprivilegierte Urbane", "Einkommensschwache Renterinnen" und "Mittelständische Alte". Freiwillig autolos sind vor allem die "Urbanen Eliten". Deren Anteil hat sich zwischen 1994 und 2005 stark erhöht, auf rund einen Drittel der autofreien Haushalte der Schweiz. Haefeli und Bieri stellen dazu fest: "Es zeigt sich in den Schweizer Städten also eine verstärkte Tendenz zu einem bewusst gewählten autofreien Lebensstil."

Quellen:

ARE / BFS, 2013: Mobilität in der Schweiz. Mikrozensus Mobiltät und Verkehr 2010
EPFL 2014: La mobilité des Genevois et des Vaudois
Haefeli, Ueli und Bieri, Oliver 2008: Der autofreie Lebensstil. Spezialauswertungen der Mikrozensen Verkehr 1994, 2000 und 2005 sowie der Eidgenössischen Einkommens- und Verbrauchserhebungen 2003-2005. Im Auftrag des Clubs der Autofreien der Schweiz (CAS), INTERFACE – Institut für Politikstudien, Luzern.
Hofer Thomas 2013: Leben ohne Auto - im Kanton Zürich keine Seltenheit. UMWELTPRAXIS Nr. 74 / Oktober 2013.
Städte Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich 2012: Städtevergleich Mobilität

Verändertes Mobilitätsverhalten

Das Mobilitätsverhalten der SchweizerInnen, insbesondere der Jungen, hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Insbesondere der Führerscheinbesitz und der GA-Besitz: Bei den 18-24-Jährigen besassen 1994 noch 71% einen Führerschein, 2010 waren es nur noch 59%. Der GA-Besitz hingegen stieg von 10% 1994 auf 20% 2010. Dieser Trend scheint sich fortzusetzen und wird auch durch andere Studien bestätigt, wonach Auto- und Führerscheinbesitz bei den Jungen an Attraktivität eingebüsst haben. Auch die stärkere Bedeutung von Mobility und anderen Formen der geteilten Mobilität weisen in diese Richtung.

Quellen:
ARE / BFS, 2013: Mobilität in der Schweiz. Mikrozensus Mobiltät und Verkehr 2010
Mobilität junger Menschen im Wandel – multimodaler und weiblicher, Institut für Mobilitätsforschung, 2011 (ifmo-Studien)

Parkplatzleerstand

Das Bild ist bekannt: Schilder mit „Parkplätze zu vermieten“ sieht man in den grösseren Städten, aber auch in vielen Agglomerationsgemeinden fast an jeder Ecke. Dass dieser Eindruck nicht täuscht, bestätigt eine Untersuchung in der Stadt Zürich. Diese hat ergeben, dass rund 10% der Parkplätze von Wohnbauten leerstehen.

Gemäss den Zahlen der Bruppacher Verwaltungs AG stehen in den sehr zentralen Lagen in den Kreisen 1/2/8 mit hohen Preisen ca. 0 – 5% der Parkplätze frei. In den äusseren Stadtzürcher Kreisen wie Schwamendingen, Oerlikon, Seebach usw. sind es gegen 10% oder mehr.

Auch die Credit Suisse ist bei einer Auswertung ihrer Wohnliegenschaften in der ganzen Schweiz zum Schluss gekommen, dass in sehr gut erschlossenen Gemeinden hohe Parkplatz-Leerstände bestehen. Durchschnittlich 29% sind unvermietet, wobei die einzelnen Werte zwischen 0% und 68% liegen. Bei gut erschlossenen Gemeinden liegt der Durschnittswert unvermieteter Parkplätze immerhin noch bei 14%, wobei es auch hier Siedlungen gibt, die 30% Leerstand aufweisen.

Verschiedene Gemeinden stützen diesen Befund ebenfalls. In Kantonen wie Basel-Land, wo kaum Spielraum besteht für eine Reduktion der Parkplatzzahl, haben sie von mehreren Investoren die Rückmeldung erhalten, dass zu viele Parkplätze erstellt werden müssen und diese nicht vermietet werden können.

Auch eine aktuelle Befragung ihrer Mitglieder der Vereinigung Münchener Wohnungsunternehmen kommt zum Schluss, dass in der bayrischen Landeshauptstadt zu viele Parkplätze gebaut werden müssen: 1 Platz pro Wohnung ist vorgeschrieben, die Realität zeigt aber, dass meist nur etwa die Hälfte davon gebraucht wird - 0,5 würde also als Norm ausreichen.

Quellen:
"Blaue Zone sorgt für rote Köpfe", Tages-Anzeiger, 23.07.2014
Pascal Reinhard, Bruppacher Verwaltungs AG
Referat Daniel Hediger, Credit Suisse, Tagung Wohnen und Mobilität, 4.10.2012, HSR
Befragung von Gemeinden durch die Plattform autofrei/autoarm Wohnen (Frühling 2014)
"Wohnen statt parken", Süddeutsche Zeitung, 03.11.2014

Parkplatzerstellungskosten

Gemäss übereinstimmenden Angaben von verschiedenen Bauherren, muss beim Bau eines Einstellhallen-Parkplatzes mit Kosten von mindestens 30‘000 CHF pro Parkplatz gerechnet werden. Bei einem absehbaren Leerstand wird dieser Betrag schnell zu einem finanziellen Risiko für die Investoren, bzw. er wird einfach auf die Wohnungsmieten abgewälzt.

Die Untersuchung von 2010 in der Stadt Zürich hat gezeigt, dass für Garagenplätze zwischen 80 und 170 CHF bezahlt werden muss, je nach Standort. Wenn man bedenkt, dass die Erstellungskosten zwischen 30‘000 und 60‘000 CHF pro Abstellplatz liegen, betragen die monatlichen Kosten mit einer Bruttorendite von 6% (inkl. Unterhalt) zwischen 180 und 360 CHF. Daraus folgt, dass mit den Mietpreisen die Kosten nicht gedeckt werden können und folglich eine systematische Quersubventionierung von Wohnparkplätzen stattfindet – alle, auch die autofreien MieterInnen, bezahlen dafür.

Eine Untersuchung aus München kommt zu den selben Schlüssen: autofreie MieterInnen bezahlen für Mieter mit Auto die von ihnen nicht benutzten Parkplätze mit, da diese zu günstig vermietet werden. Ausserdem zeigt eine Befragung aus der bayrischen Landeshauptstadt, dass aufgrund der hohen Parkplatzerstellungspflich von einem Platz pro Wohnung die Immobilienpreise in die Höhe getrieben werden.

Selbst im Autoland USA sind die Kosten für die Erstellung von Parkplätzen inzwischen ein Thema, wie ein Artikel von Citylab zeigt.

Quellen:
Hauber, 2001: Stellplatzkosten. Praktikumsarbeit. München, Wohnen ohne Auto.
"Wohnen statt parken", Süddeutsche Zeitung, 03.11.2014
"How Outdated Parking Laws Price Families Out of the City", Citylab, August 7, 2014.
Tiefbauamt der Stadt Zürich