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Erkenntnisse aus autofreien / autoarmen Siedlungen in Europa

Mittlerweile gibt es einige Projekte für autofreies oder autoarmes Wohnen in Europa. In der Detailplanung – bezüglich Grösse, Verbindlichkeit der Autofreiheit, Miete/Eigentum, Organisationsform, Beteiligung der Bewohnenden, Betreibermodelle usw. – unterscheiden sich die verschiedenen Siedlungen zum Teil stark. Das Kernanliegen ist aber bei allen derselbe: Alle Wohnangebote richten sich an Haushalte ohne eigenes Auto, mit dem Ziel, für diese Vorteile zu schaffen.

Bekannte Vorreiterprojekte beinhalten aber noch andere entscheidende Punkte wie zum Beispiel die Mitbestimmung in Planung und Ausgestaltung der Siedlung von Anfang an. So wurden oft Vereine für das jeweilige Projekt gegründet (Bsp. Münster Gartensiedlung, Floridsdorf Wien, Stellwerk 60 Köln) um als institutioneller Ansprechpartner für die Bauherrschaft oder die Stadtverwaltung wahrnehmbar zu sein.

In der gemischten Siedlung Vauban in Freiburg im Breisgau funktioniert das Zusammenspiel von autofreien Haushalten und Haushalten mit eigenem Auto, die am Rande der Siedlung einen Platz in einem Parkhaus mieten/kaufen können. Erfahrungen aus verschiedenen Projekten in  europäischen Ländern lassen die These zu, dass die Akzeptanz in der breiten Bevölkerung durch solche kombinierten Formen  zunehmen dürfte.

Eine Begleituntersuchung in der Siedlung Vauban zeigt eindrucksvoll, dass autofreie bzw. autoreduzierte Wohnprojekte ein effektives Mittel sind, um die Zahl von Autofahrten zu reduzieren und langfristig ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten aufzubauen oder zu stabilisieren.

Allgemeine Erkenntnisse

In konzeptionell kombinierten Siedlungen muss für autofreie Haushalte der finanzielle Vorteil des Wohnens ohne eigenes Auto erfahrbar gemacht werden. Dazu sollte eine strikte Entkopplung zwischen Wohnung und Parkplatz mit klarer Trennung der Kosten erfolgen. Weitere wesentliche Merkmale einer solchen Entkopplung sollten sein, dass nach Möglichkeit kein individuelles Eigentum an Stellplätzen besteht, für die Stellplätze kostendeckende Mieten erhoben werden und im öffentlichen Strassenraum eine konsequente Parkraumbewirtschaftung betrieben wird.


Quellen:

Baier Reinhold u.a., 2004: Autofreies Wohnen - Begleituntersuchung zur autofreien Siedlung Hamburg-Saarlandstrasse. Schlussbericht. Forschungsprogramm Stadtverkehr.

Freudenau Henrik, 2001: Marktuntersuchungen zum autofreien Wohnen in Nordrhein-Westfalen. Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen (ILS).